PRINCE2® - PRojects IN Controlled Environments

Vorstellung des Standards, der skalierbaren PM-Methodik, des Zertifizierungskonzepts und der Agilität im PRINCE2-Umfeld.

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PRINCE2®

Der Standard PRINCE® wurde ursprünglich 1989 von der britischen Central Computer and Telecom-munications Agency (CCTA) als Regierungsstandard für IT-Projektmanagement entwickelt, jedoch bald regelmässig auch ausserhalb von reinen IT-Umgebungen angewendet. 1996 wurde er unter PRINCE2® als allgemeine Projektmanagement-Methode veröffentlicht. Mit seinem Ursprung in der CCTA kommt PRINCE2® aus der gleichen Umgebung wie ITIL, ein weit verbreitetes Framework für IT-Servicemanagement, das ebenfalls von der britischen Regierung entwickelt wurde. Wie dieses basiert PRINCE2® auf Best Practices und verspricht eine kompakte Zusammenfassung, Übermittlung und Überprüfung der benötigen Fähigkeiten. 

Beide Standards, ITIL und PRINCE2®, sowie einige weitere gingen 2012 in ein Best Management Practice Portfolio ein, das dem Office of Government Commerce (OGC) übertragen wurden. Das britische Zertifizierungsunternehmen APMG (APMG Group Ltd.) hatte bis 2013 das exklusive Recht, die Zertifizierungen durchzuführen. Dann wurde die AXELOS Ltd. als Joint Venture aus der OGC und dem Outsourcing-Dienstleister Capita plc. gegründet. Es wurde damit betraut, die Best-Practice-Konzepte global zu verwalten und weiterzuentwickeln. Mit Ausbildung und Zertifizierung beauftragt Axelos akkreditierte Trainingspartner (ATO), bietet über PeopleCert aber auch eigene Prüfungen an. 

Heute ist PRINCE2® noch immer der führende Projektmanagement-Standard in Grossbritannien und gehört auch weltweit zu den ganz Grossen im Projektmanagement-Zertifizierungsgeschäft. Ausführliche Informationen stehen auf der AXELOS-Seite zur Verfügung. (Die Domain prince2.com gehört einem Trainingsanbieter).
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PRINCE2®: prozessorientierte und skalierbare PM-Methode 

PRINCE2® ist eine Projektmanagementmethode, die sich auf die Rahmenbedingungen konzentriert. Sie hilft herauszufinden, wer involviert werden sollte und mit welchen Verantwortlichkeiten. Für jede der Phasen Vorbereitung, Durchführung und Abschluss des Projekts werden die erforderlichen Rollen beschrieben, auch die des Lenkungsausschusses. So bietet PRINCE2® eine Prozessfolge, an der sich die Projektarbeit orientieren kann. Anwender und Anwenderinnen erhalten viele praktische Hilfen für die Projektarbeit wie einsatzbereite Muster für Projektpläne und Business Cases. Hinsichtlich sinnvoller Werkzeuge gibt PRINCE2® Hinweise, legt sich aber nicht fest. 

2017 hat die AXELOS das Handbuch für PRINCE2® erstmalig nach 2009 im größeren Umfang aktualisiert. Managing Successful Projects with PRINCE2® 2017 lautet der Titel seitdem. Während sich an den grundlegenden Kernaussagen nichts geändert hat, gab es einige Umstellungen, Anpassungen und Erweiterungen, um den Inhalt noch besser an die praktischen Bedürfnisse anzupassen. So konkretisiert das Update PRINCE2 2017 nun das Prinzip "Tayloring" und enthält Leitlinien für die Anpassung, die erstmalig die Mindestanforderungen für das Einhalten der Prinzipien aufführen. Die empfohlenen Techniken zu einem Thema sind jetzt im jeweiligen Kapitel zusammengefasst. Die Hilfestellungen zur Implementierung der Methodik im Unternehmensumfeld wurden überarbeitet. Darüber hinaus wird die Anwendung von PRINCE2® in agilen Projektumgebungen thematisiert und ein Bezug zur Leitlinie bzw. Zertifizierung PRINCE2 Agile hergestellt. 
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Das Zertifizierungskonzept 

Das Zertifizierungskonzept von PRINCE2® umfasst zwei Stufen: 
  • PRINCE2 Foundation ist ein Grundlagenzertifikat für Teammitglieder, das einen Einstieg in Prinzipien und Terminologie umfasst.
  • PRINCE2 Practitioner richtet sich an Projektschaffende mit Verantwortung für die Gestaltung von Projektmanagement. Die frühere Zertifizierung "PRINCE2 Professional" wird seit2018 nicht mehr angeboten.
Während Interessenten mit entsprechender Projekterfahrung bei IPMA® und PMI® auch direkt auf einem höheren Level einsteigen können, fordert PRINCE2® für seine zweite (von zwei) Stufen den Ausbildungsnachweis für das Einstiegslevel. Alternativ dazu gilt jedes der angeführten Zertifikate von IPMA® und PMI® als Zugangsvoraussetzung. 

PRINCE2® versteht sich als Know-how-Vermittler und fordert zur Zertifizierung keine bereits vorhandene Projektpraxis. Im Gegensatz zu IPMA® und PMI®, die Nachweise für – je nach Stufe unterschiedlich definierte – Praxiserfahrung in Projektmitarbeit oder -leitung verlangen. 
Tabelle: Projektmanagement-Zertifizierungspfad für PRINCE2
PRINCE2-Zertifikate
Zielgruppen
Voraussetzungen
PRINCE2® Foundation
Einsteiger ins PM oder in PRINCE2-Umgebungen 
keine
PRINCE2® Practitioner
Projektleiter und Teammitglieder, Berater 
PRINCE2 Foundation oder Zertifizierung PMP oder CAPM (PMI) oder IPMA Level D, C, B oder A 
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Agilität im PRINCE2-Zertifizierungsumfeld 

Mit dem PRINCE2 Agile® gibt es Unterstützung für Projektschaffende speziell in agilen Umgebungen. Wie das ursprüngliche PRINCE2-Zertifizierungskonzept umfasst dieses die Stufen "Foundation" und "Practitioner". Grundsätzlich richten sich diese Zertifikate an Projektschaffende, die ihre Kompetenz zur effizienten Mitarbeit in agilen PRINCE2-Projekten dokumentieren wollen. Eine Zusammenfassung der Inhalte bietet der "PRINCE2 Agile Guide". Wie bei den anderen PRINCE2-Prüfungen wird das Wissen durch Multiple Choice abgefragt. 

Wer Trainings- und Prüfungsangebote im deutschsprachigen Raum recherchiert, findet vor allem Seminare mit der Bezeichnung "PRINCE2 Agile", die dem Practitioner entsprechen. Manche richten sich auch an Personen mit vorhandener Practitioner-Ausbildung. 

Die AXELOS als Verwalterin der PRINCE2-Zertifiererung hat auch hier die Stufe "Foundation" als Einsteigerstufe konzipiert, für die keine Voraussetzungen erforderlich sind. Für die Practitioner-Prüfung sind Personen zugelassen, welche vorher die Zertifikat Stufe Foundation oder eine der Standard IPMA- oder PMI-Zertifizierungen erworben haben. 
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